Foto aus dem Erfahrungsbericht von Tim
Erfahrungsbericht
Indien

Zwischen Großstadt und Oxygen-Campus

„Auch wenn es manchmal chaotisch wirkt, funktioniert es am Ende – vielleicht nicht perfekt, aber definitiv mit weniger Stress.“

Seit dem 26. August 2025 bin ich als Freiwilliger bei der Parikrma Humanity Foundation in Bangalore tätig, gemeinsam mit einem Freund aus Deutschland.

Was macht Parikrma?

Parikrma ist eine Nichtregierungsorganisation, die 2003 gegründet wurde. Sie betreibt vier Schulen und ein College für rund 2.000 benachteiligte Kinder in Bangalore. Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine kostenlose Schulbildung, die vollständig durch Spenden finanziert wird, dazu drei Mahlzeiten am Tag, Schuluniformen und regelmäßige Gesundheitschecks. Ein eigenes Team kümmert sich um die Entwicklung der Armenviertel und unterstützt Eltern zum Beispiel bei der Gründung eines eigenen Geschäfts.

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Der Oxygen-Campus

Seit 2025 betreibt Parikrma den Oxygen-Campus, ein etwa elf Hektar großes Gelände rund 60 Kilometer außerhalb von Bangalore. Ziel ist, dass die Kinder naturnah lernen und sich selbst reflektieren. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern von Parikrma bilden wir das Kernteam des Campus: Wir planen die Schulbesuche, stimmen uns mit Schulen und Lehrkräften ab und bereiten die Inhalte vor – Naturspaziergänge, Wanderungen, Reflexionseinheiten und Naturbeobachtungen. Die Schülerinnen und Schüler bauen in Dreiergruppen ihre eigenen Zelte auf; wir zeigen es ihnen und helfen dabei. Wir haben viel Freiraum und können eigene Ideen einbringen.

Weitere Aufgaben

Daneben übernehmen wir vielfältige Aufgaben in Bangalore: Wir unterstützen Veranstaltungen wie die Parikrma Champions League oder das Science Festival – bei der Champions League war ich Teil des Media-Teams. Wir geben jüngeren Schülerinnen und Schülern Nachhilfe, vor allem in Mathematik und Englisch. Und weil ich Erfahrung im Vertrieb habe, unterstütze ich das Fundraising-Team beim Aufbau von Kontakten zu deutschen Unternehmen in Bangalore.

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Die größte Herausforderung

Für mich ist der größte Unterschied die Arbeitsweise. In Deutschland bin ich klare Strukturen gewohnt – Ablagen, Rollen, feste Prozesse. In Indien läuft vieles anders: Dokumente muss man oft bei Kolleginnen und Kollegen erfragen, Meetings werden durch Telefonate unterbrochen und dauern doppelt so lange wie geplant. Das klingt negativ, ist aber nur der Kontrast zwischen zwei Arbeitskulturen. Die Menschen hier sind extrem flexibel und passen sich schnell an neue Bedingungen an.

Auch wenn es manchmal chaotisch wirkt, funktioniert es am Ende – vielleicht nicht perfekt, aber definitiv mit weniger Stress.

Leben in Bangalore

Unser Alltag ist geprägt von zwei Extremen: dem einfachen Landleben auf dem Campus und dem pulsierenden Alltag in einer Stadt mit fast 15 Millionen Einwohnern. In Bangalore sind die Sinne ständig gefordert – es ist bunt, laut, und es ist immer etwas los. Auf dem Sonntagsmarkt in Chickpet drängen sich die Menschen durch enge Gassen, Verkäufer rufen, Autos und Motorräder hupen sich ihren Weg frei, und zwischendurch läuft eine Kuh völlig gelassen durch die Menge.

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Indien ist außerdem ein Land der Feste. Besonders eindrucksvoll sind die Straßenumzüge, die Yatras, bei denen Menschen trommelnd und tanzend einem kunstvoll geschmückten Wagen mit der Statue einer Gottheit folgen. Ein Höhepunkt war das neuntägige Blumenfest in Hyderabad.

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Was ich lerne

Entgegen meiner Vorstellung verbringen wir deutlich mehr Zeit in der Großstadt als in der Natur. Enttäuscht bin ich deswegen nicht – gerade die Mischung macht die Arbeit abwechslungsreich. Mein Perfektionismus wird hier allerdings stark auf die Probe gestellt: Flexibilität und Gelassenheit sind das oberste Gebot. Ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, aber noch lange nicht am Ziel. Die nächsten Monate werden es zeigen.

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