Ich bin nun schon neun Wochen in Leh, und diese Zeit fühlt sich viel kürzer an, obwohl ich schon so viel erlebt habe.
Gelandet bin ich zuerst in Delhi, allein und sechs Wochen später als mein Mitfreiwilliger, da es Probleme mit meinem Visum gab – aber gerade deswegen umso motivierter, dass es endlich losgeht. Delhi hat mich sehr überrascht: weniger Hochhäuser als gedacht, viele ein- bis dreistöckige Häuser mit erstaunlich vielen Bäumen dazwischen.
Nach 48 Stunden ging es weiter nach Leh, mit beeindruckenden Ausblicken über die ersten Bergketten des Himalaya zu meinem Zuhause für das nächste Jahr. Dort wurden die Dauerbeschallung durch Hupen vom Dauergebell der Hunde ersetzt und die 30 Grad aus Delhi durch einstellige Temperaturen am Morgen.

Schule und Büro
Ich habe mich erstaunlich schnell eingelebt. Vormittags gehe ich zur Schule, um dort Vertretung zu unterrichten, nachmittags ins Büro. Dort arbeiten wir an dem, was gerade anfällt: Vor allem aktualisieren und verbessern wir die Website, schreiben oder bearbeiten Berichte und erstellen Flyer, Broschüren und anderes Material. Dafür haben wir uns in das Website-Programm und in GIMP eingearbeitet. Das meiste ist Learning by Doing, und es gibt viel Freiraum, uns kreativ auszuprobieren.
Ab und zu geht es auf Fieldtrips, zum Beispiel in die Homestay-Dörfer. Das ist immer sehr interessant, auch wenn die Autofahrten lang und eng sein können. Dort ist es unser Hauptjob, ganz viel Tee zu trinken und noch mehr Fotos zu machen.
Learning by Doing gilt auch in der Schule. Nach der fast täglichen Morning Assembly übernehmen wir manchmal Vertretungsstunden; ansonsten begleiten wir eine Lehrkraft, schauen beim Unterricht zu und helfen den Kindern zum Beispiel in Mathe. Erstaunlich finde ich, wie viel Englisch die Kinder verstehen.
Das Tolle an der Schule ist meiner Meinung nach der Kontakt zu den ganzen Menschen, den man hat.

Freizeit in Ladakh
In meiner Freizeit erkunde ich gerne die kleinen Wege zwischen den Häusern und die Stadt. Sonntags geht es auf die umliegenden Berge – wenn man schon mal ein Jahr im Himalaya wohnt, muss man das auch nutzen, oder? Ansonsten backe ich sehr gerne: Brot, Brötchen, Zimtschnecken. Wir haben eine Gitarre, auf der ich spiele, und die Berge sind natürlich ein wunderbares Fotomotiv, weshalb meine Speicherkarte schon ganz gut voll ist.
Dreimal pro Woche haben wir etwa eine Stunde Ladakhi-Unterricht in einem nahegelegenen buddhistischen Nonnenkloster. Das macht Spaß, und wir kommen gefühlt ganz gut voran.
Ein paar Ausflüge haben wir auch schon gemacht: zum Klosterfest Thiksey Gustor, bei dem die Mönche verkleidet tanzten, und mit einem Lehrer der Schule zu den Klöstern in Likir und Hemis. In Hemis gibt es unten ein großes Kloster mit etwa 100 Mönchen und einer Schule – und weiter oben am Berg, von unten nicht zu sehen, leben noch einmal fünf, sechs Mönche ganz abgeschieden. Auf dem Rückweg haben wir einen Abstecher an den Indus gemacht, zu einer Stelle mit vielen Felsen und ganz blauem Wasser.

Zum Schwimmen ist es derzeit allerdings viel zu kalt: Die Temperaturen liegen konstant unter null, unser Rekord waren −20 Grad draußen und −2 Grad drinnen. Zum Glück haben wir einen Heizlüfter, der einen Raum auf kuschelige 15 Grad bringt.