Seit vier Monaten lebe ich als Freiwillige in der Dominikanischen Republik und habe in dieser Zeit viele neue Erfahrungen gesammelt – sowohl im Arbeitsalltag als auch im Zusammenleben mit meiner Gastfamilie.
Leben in der Gastfamilie
Ich lebe in Rio Limpio, einem kleinen, abgelegenen Dorf nahe der Grenze zu Haiti, auf einem gemeinsamen Grundstück mit meiner Gastfamilie. In einem Haus wohnen meine Gastmutter, meine Gastschwester mit ihrem Kind und ich, im Haus gegenüber mein Gastbruder mit seiner Familie und einem Hund.
Meine Gastmutter ist eine sehr herzliche und fürsorgliche Frau. Tagsüber arbeitet sie in einer Grundschule und kümmert sich danach um den Haushalt und das Kochen für die ganze Familie. Sie achtet sehr darauf, dass ich genug esse, und berücksichtigt meine Vorlieben. Wenn ich Hilfe brauche oder Fragen habe, kann ich mich jederzeit an meine Gastfamilie wenden, und auch sprachlich ist meine Gastmutter sehr geduldig mit mir. Das Leben hier ist sehr einfach – trotzdem habe ich mich gut eingelebt und fühle mich willkommen.

Meine Einsatzstelle: die Schule CREAR
CREAR unterrichtet die Klassenstufen 4, 5 und 6. Die Klassen sind klein, die Altersspanne aber groß: In der 4. Klasse sind die Schülerinnen und Schüler etwa 15 bis 17 Jahre alt, in der 6. Klasse teilweise bis 22. CREAR ist eine technische Schule mit dem Schwerpunkt Landwirtschaft; wenn im Unterricht nichts zu tun ist, helfen wir manchmal auf dem Feld, wo unter anderem Yuca angebaut und Tiere gehalten werden.
Ich arbeite als Assistenzlehrerin für Englisch, unterstütze meinen Tutor im Unterricht oder übernehme selbst Unterrichtseinheiten. Wir gestalten den Englischunterricht sehr spielerisch und aktiv. Die Schülerinnen und Schüler sind freundlich, offen und motiviert – auch wenn ihr Englischniveau eher niedrig ist, funktioniert der Unterricht gut.
Der Schultag beginnt jeden Morgen mit einer Bibelstunde: Die Nationalhymne wird gesungen, die Flagge gehisst und ein Bibelvers vorgelesen. Die Schule endet offiziell um 16 Uhr, wenn die Flagge wieder eingeholt wird. Das Essen wird frisch zubereitet, fast ausschließlich mit regionalen Lebensmitteln und traditionellen Gerichten.
Das Dorf
Das Leben in Rio Limpio ist ruhig und einfach. Morgens ab etwa 7 Uhr ist viel los, tagsüber wird es ruhiger, abends wieder lebhafter. Es gibt einen Sportplatz, eine kleine Billardbar, eine Eisdiele, viele Colmados und Essensstände mit Empanadas, Hotdogs und Pica Pollo. Am Wochenende kommen viele haitianische Händlerinnen und Händler ins Dorf, und es gibt einen kleinen Flohmarkt.
Der Weg aus Rio Limpio heraus ist relativ kompliziert: Morgens fahren Busse in etwa zwei Stunden nach Loma de Cabrera, und erst von dort geht es in andere Städte. Zurück geht es nur zu bestimmten Zeiten. Doch man wird nie allein gelassen – die Lehrkräfte haben uns genau erklärt, wie man am besten fährt, und auch unterwegs waren die Menschen immer sehr hilfsbereit.
Generell sind die Menschen im ganzen Land sehr herzlich. Man wird oft eingeladen, zum Beispiel auf einen Kaffee.
Insgesamt ist das Leben hier sehr anders als das, was ich aus Deutschland kenne: einfacher, ruhiger und manchmal herausfordernd, aber auch sehr lehrreich. Ich habe gelernt, geduldig zu sein, mich anzupassen und mit wenigen Möglichkeiten auszukommen.